Sonntag, 5. August 2012

Über Probleme, die sich nicht mit Panzerband lösen lassen


Ich habe in dem ganzen letzten Jahr versucht nicht zu meckern, mir nicht anmerken zu lassen, wenn es mir schlecht geht. Und jetzt werde ich dieses Gebot, das ich mir selbst gesetzt habe brechen. Es geht mir schlecht. Ich kann nicht schlafen, habe abends Fieber und tierische Rückenschmerzen. Ich fange an zu weinen wenn ich auf den Teller blicke, von dem ich nun ein Jahr lang gegessen habe und selbst beim Anblick der Käfer in meinem Bett überfällt mich die Wehmut wie ein warmer Sommerregen. Vom Kontakt mit meinen Mädchen ganz zu schweigen. Ich drehe am Rad, wie mein Papa sagen würde. Aber genauso wie mein Papa funktioniere ich trotzdem. Es bleibt mir ja nichts anderes übrig.


Und ich kann noch nicht mal sagen, wie ich mich gerade fühle. Ich bin traurig, dankbar, stolz und zutiefst gerührt. Seit einer Woche vergeht kein Tag an dem ich nicht mit den Mädchen gemeinsam weine. Und seit einer Woche vergeht kein Tag ohne eines meiner Lieblingsessen. Die Heimleiterin steht nachts um vier auf um mir Chapattis zu backen und die Mädchen haben extra für mich Wassermelonen im Garten angeplanzt, die sie mir dann nach Deutschland schicken wollen. Da ich außerdem gerade krank bin werde ich von meiner Sitznachbarin, der  12 jährigen Pravallika, beim Abendessen gefüttert – natürlich mit der Hand. Die einjährige Honey kann jetzt schon „Priya Sister“ sagen und Bhuvana Kruthika nennt mich seit etwa zehn Tagen „Mami“.

Angeblich geht das Leben weiter.

Ich habe heute zum ersten Mal meinen Sari angezogen. Zur extremen Freude (ich glaub ihr könnt euch das gar nicht vorstellen) der Heimbewohner. Insgesamt verbrachte ich zwei Stunden im Zimmer der Mädchen, wo mir die Haare gemacht, sämtliche Bangles angezogen wurden  und immer wieder der Sari ins rechte Licht gezuppelt wurde – ein wahrer Nervenakt für Menschen wie mich, denen es schon schwer fällt, morgens mehr als 5 Minuten im Bad zu brauchen.

Sana, mit der ich mich besonders verbunden fühle, kam  mit erhobenem Zeigefinger zu mir und sagte: „Sister, today full happy, ok?!“ Ich nickte und die Zehnjährige wusste sofort, was das zu bedeuten hatte.


Dann war es soweit. Rückblickend kann ich gar nicht mehr genau beschreiben wie sich alles ereignet hat, weil alles irgendwie im Rausch passierte. Plötzlich saß ich auf dem Stuhl neben meiner Chefin Sumitra. Vor uns saßen die Mädchen. So langsam wurde mir bewusst, dass das hier gerade so etwas wie meine Abschiedsfeier ist. Die ersten Tränen fließen. Einige Mädchen stehen auf und bedanken sich bei mir, halten kurze Reden und auch obwohl das alles sehr anrührend ist, so wissen alle in dem Raum, dass keine Rede vermag das auszudrücken was wir fühlen.

Dann werde ich aufgefordert etwas zu sagen und ich verliere völlig die Kontrolle. Es war kein Weinen mehr, sondern richtig furchtbares Heulen. Mit lautem Schluchzen und so.  Und ich weiß nicht wie ich es schaffte, aber nach einer guten Minute des Kontrollverlustes gelang es mir, mich zusammen zu reißen. Ich hielt eine Abschiedsrede.

Ich weiß nicht ob sie gut war, aber sie war ehrlich.

Ich sagte, dass ich die schönste und die härteste Zeit mit ihnen hatte, dass ich ihnen unendlich dankbar bin. Ich sagte, dass sie alle so viel Potential haben und dass sie nie aufhören dürfen nach mehr zu streben als dem Mittelmaß, weil es das ist was sie verdient haben: die Erfüllung ihrer Träume.

Ich sah nicht ein Kind in den Reihen, das nicht weinte.

Das nächste an das ich mich erinnern kann sind mit Konfetti gefüllte, platzende Ballons über meinem Kopf. Ich bekam Blumen ins Haar gesteckt und eine Kette mit passenden Ohrringen und Armband.

Sumitra wollte, dass ich gleich heute mit zu ihr fahre und die letzten beiden Nächte dort verbringe. Ich weigerte mich. Ich bleibe bis zum Ende hier, sagte ich. Nachdem sie endlich weggefahren war drückte mir die Heimleiterin ein Gästebuch in die Hand. In dieses Gästebuch schreiben Besucher in kurzen Sätzen wie sie das Heim und die Kinder fanden. Menschen, die im Schnitt eine knappe Stunde hier verbracht haben. Und nun sollte ich etwas hineinschreiben.

Nach zehn Minuten in denen ich ratlos mit Kuli in der Hand vor dem Buch saß wusste ich plätzlich ganz genau, was zu tun ist. Neben all die „Thanks for the nice dance!“-, „You girls are soooo great!”- und “This is a beautiful Home”-Sätze, schrieb ich das Einzige, was der Situation angemessen ist:

Thank you for changing my life forever. I will never stop thinking of you.


Freitag, 3. August 2012

Jetzt ist es passiert


„Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere“

Jetzt ist es passiert. Zwar ist die Tür noch nicht ins Schloss gefallen, aber der Schlitz zwischen Tür und Rahmen ist so winzig, dass ich gerade noch so mit einem halben Auge durchblicken kann. Folglich ist die Sicht auf meine momentane Situation ziemlich beschränkt.

Was ich sehe sind Kinder, für die ich eine Freundin bin, für die ich die große Schwester bin, die Lehrerin, das große Vorbild oder auch die Mutter.  Und ich werde all das zurücklassen. Mit einem Mal. Einfach so.

Und ich werde nie erfahren, was aus all den Menschen geworden ist, die für ein Jahr meine Familie waren.

Jetzt ist es passiert. Ich realisiere es. Natürlich genau in dem Moment als meine Chefin neben mir sitzt. Scheiß Timing.

Ich fühle mich zurückversetzt, bin jetzt wieder wie zuvor, klein und schwach und hilfesuchend. Es ist wie vor einem Jahr nur viel schlimmer. Denn dieses Mal ist es ein Abschied für die Ewigkeit. Selbst wenn ich irgendwann zurückkommen sollte, es wird nichts so sein wie es jetzt ist. Dazu kommt, dass meine Mädchen selbst unheimlich traurig sind. Sie weinen um mich, ich um sie und trotzdem bin ich die Große: Diesmal werde ich nicht getröstet, diesmal tröste ich selbst.

Jetzt ist es passiert. Ich fange an meinen Koffer zu packen. Ich kaufe für fast 80 Mädchen Abschiedsgeschenke und organisiere meine Fahrt zum Flughafen.
Wenn ich jetzt hier so sitze spüre ich zwar tiefen Schmerz, aber gleichzeitig auch unendliche Dankbarkeit. Dieser Ort hier, dieses Heim, dieses Dorf, dieses Land und allem voran diese Menschen haben mir so viel beigebracht. Ich habe so viel über mich selbst gelernt, mich so entwickelt, so viele außergewöhnliche Erfahrungen gemacht, bin so oft an meine Grenzen gekommen und habe sie überwunden,  dass ich voller Stolz und Dankbarkeit an diese Zeit zurückdenken werde.

„Wenn sich eine Tür schließt, steht eine andere bereits offen.“

Jetzt ist es passiert.

Alles was ich jetzt noch tun muss ist die Mädchen zu küssen, meinen Koffer zu nehmen und durch die Tür zu gehen.


Und bis dahin halte ich den Atem an.

Montag, 30. Juli 2012

Fernbeziehung




Seit nun etwa einem Jahr führe ich eine Fernbeziehung auf mehr als 7000 Kilometern Entfernung. Ich werde nun versuchen, zu beschreiben, was es bedeutet, sich in einem Jahr exakt 22 Tage zu sehen. Oder vielmehr: was es bedeutet, sich in einem Jahr 343 Tage nicht zu sehen.

Am Anfang ist es einfach nur vermissen. Es fehlt jemand. Und dieses Gefühl macht einen irgendwie einsam. Man schläft alleine ein, man wacht alleine auf. Man erlebt alles allein und das frustriert.

Dann kommt man irgendwann an den Punkt, wo einen die Sehnsucht fast auffrisst, wo man verrückt wird, wenn man realisiert, dass der Partner nur ein Bild im Laptop ist, nur ein paar Buchstaben in der Email, nur das Foto an der Wand.

Phase drei sieht so aus, dass man aus lauter Verzweiflung anfängt, mit einem illusionierten Menschen zusammen zu sein – also in der Realität. Das fängt so an, dass man seinem Kopfkissen einen Gute-Nacht-Kuss gibt, dann beginnt man sich selbst den Rücken zu kraulen, über die Haare zu streicheln und irgendwann endet es mit hitzigen Diskussionen darüber, wer dem anderen gerade die Decke weggenommen hat.

Doch auch wenn das bereits alles ziemlich armselig und traurig klingen mag, so ist die schlimmste Phase noch nicht erreicht. Man kann sie nicht richtig einordnen, weil es ein schleichender und unaufhörlicher Prozess ist. Wenn du vergessen hast, wie es ist, den anderen zu küssen, dann hast du diese Phase erreicht. Und genau dieses Vergessen ist es, was dich aufzufressen droht. Wenn du vergisst hast du dich damit abgefunden. Und da einem über ein so langen Zeitraum nichts anderes übrig bleibt, als sich damit abzufinden, weil  Körper und Kopf gar nicht stark genug sind, dagegen anzukämpfen, vergisst du allmählich alles. Nur noch die tägliche SMS erinnert dich dann daran, dass du einen Freund hast.

Warum schreibt die Alte nur so viel Gefühlsduselei, das interessiert doch kein Mensch!

Nunja, ich hoffe, dass mich diese Fernbeziehung auf die kommende vorbereitet – auf die mit Indien.
Möglicherweise tue ich das nur, um der ganzen Sache wenigstens etwas Positives abzugewinnen, doch es werden sich bestimmt einige Parallelen wiederfinden.
Wenn man weiß, wie hart so eine Fernbeziehung sein kann, dann realisiert man auch erst einmal wie berechtigt die Angst davor ist. Ich fürchte mich davor, eines Tages zu vergessen, wie sich der Wind des Monsuns in meinen Haaren anfühlt. Und das einzige was ich dagegen tun kann ist, in diesem Moment aufs Dach zu gehen, den Zopf zu öffnen und den Wind wehen zu lassen…

Sonntag, 29. Juli 2012

Indien - Gastbeitrag 2.1


'Was findest du, ist der größte Unterschied zwischen Indien und Deutschland?' fragte Birte mich nachdem ich die ersten Tage in Indien verbracht hatte. 'Hm, gute Frage' meine Antwort 'Alles! Frag mich lieber mal nach Gemeinsamkeiten, da fällt mir eine ein: In Indien und in Deutschland gibt es Menschen.'


Und so ist es. Indien und Deutschland haben nicht viel gemeinsam, zumindest nicht das traditionelle Indien. Die Mentalität in Indien ist so frei und doch so begrenzt. Begrenzt in dem Sinne, dass es schwierig scheint, nach Indien zu kommen und seine eigene Kultur voll auszuleben. Das fängt bei der Kleidung an. Zeig keine Schultern, keine Knöchel, bedeck dich, wenn du eine Frau bist. Pass auf, dass man keine BH-Träger sieht. Steck die Schüre deines Hosenbunds weg oder bist du eine Prostituierte?


Es war nicht immer einfach sich an diese 'Regeln' zu halten. Nicht weil ich es nicht wollte, sondern weil ich es einfach schnell mal vergessen habe, meine Schnürchen wegzustecken. Denn diese Schnürchen an der Hose waren bisher nie etwas, worüber ich nachgedacht habe.


Abgesehen von der Kleidung gibt es noch viele andere Kleinigkeiten zu beachten wie zum Beispiel nur mit der rechten Hand zu essen. Es passierte mir schnell und oft vor allem am Anfang meines Indien-Aufenthaltes, dass ich irgendetwas falsch machte. Zum Glück hatte ich ja aber meine indische Cousinenfreundin immer bei mir, die mich schnell auf meine Fehler aufmerksam machte.


Aber trotz allem fühlte ich mich in Indien einfach frei. Die Ukulele in die Hand nehmen und einfach losträllern ohne groß darüber nachzudenken was die anderen denken. Und das in Schlafanzug. Natürlich gucken die Leute, aber es ist ein angenehmes Beobachten, keine zweifelhaften Blicke, nur Interesse. Keine schiefen Blicke, nur Freundlichkeit und in den Augen generell viel Interesse.


Egal wo wir waren, egal, uns wurden immer die gleichen Fragen gestellt. Wir sind vom Himalaya bis in den Süden Indiens gereist, aber die Fragen blieben die gleichen: Which country? Which part of Germany? First time India? How long in India? Do you like India? What you doing in India? ...Wanna see my shop? (…) Irgendwann gingen diese netten Fragen uns allerdings so auf den Keks, dass wir uns unbekanntere Heimatländer als Deutschland ausgesucht haben. Schweden zum Beispiel, manchmal sogar Papua Neuguinea, um weiteren Fragen aus dem Weg zu gehen. Meistens ging die Rechnung auf, nur einmal wurde uns dann auf Schwedisch geantwortet, upps!


Ich bin nun seit gestern zurück in Deutschland und alles ist wieder wie vorher, abgesehen davon, dass das Wetter gut ist. Die Angestellten am Flughafen waren schlecht gelaunt und nörgelig, der Mann bei der Passkontrolle, hat sich scheinbar einen Zacken aus der Krone gebrochen, um ein gelangweiltes 'Hallo' aus seinem Mund zu pressen.
Das erste was ich gemacht habe, als ich zuhause war, war mich in den Garten zu setzen und nichts zu hören, außer das laute Rauschen in meinem Kopf. Da habe ich gemerkt, Indien ist verdammt laut. Und trubelig. Kein Wunder, wenn in einem Land 1.241.491.960 Menschen leben eigentlich. Zwar sind wir insgesamt ca. 6745km durchs Land geschrubbt, aber trotzdem war jede Stadt voller Menschen. Menschen überall und Kühe, Schweine, Ziegen, Hunde, Schafe und Pfaue. Nur in der Wüste war es leer. Da gab es nur die eben genannten Tiere plus frei lebende Kamele und Dreck.


Dreck, auch das gehört zu Indien. Und Müll. Es ist nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen in diesem bunten Land, denn oft ist der Straßenrand aus dem Grund bunt, dass er bedeckt ist mit Müll. Und hier und da Kühe, Schweine und Menschen, die in diesem Müll leben...


Mittlerweile bin ich seit drei Tagen zurück. Und ich habe mich mal wieder unter deutsche Menschen getraut. Und mich mal so verhalten wie in Indien. Lächeln. Nicht nur, dass niemand 'Hallo! Hallo! Hallo! How are you?' gerufen hat oder heimlich versucht hat mich zu fotografieren. Man bekommt meist auch kein Lächeln zurück. Und das liegt größtenteils daran, dass niemand guckt. Jeder ist mit sich beschäftigt. Es gibt Menschen. Aber auch die sind ein Unterschied.

Samstag, 21. Juli 2012

Impressionen einer Reise 1.0

29.06.2012

Die Sonne knallt und der Wind schlaegt zurueck. In Anbetracht der Kette um meinen Hals, die aus purem Dreck besteht, stelle ich mir erneut die Frage, ob unsichtbarer Schmutz tatsaechlich der schlimmere ist...?

Zugfahren.

Das bedeutet wenig Schlaf und viel Geduld. Es bedeutet aber auch das Treffen von Menschen, die fuer eine Strecke deine Familie werden. Nicht unbedingt weil immer alle ausnahmslos nett sind, sondern viel mehr weil alles unglaublich verkeimt ist und die Vorstellung, dass all diese Bakterien, Partikel und Erreger aus der eigenen Familie kommen, alles irgendwie ertraeglicher macht. Versteht mich nicht falsch, ich liebe das Zugfahren. Es gibt gutes Essen, jede Menge Tschais und interessante Geschichten.

Zugfahren bedeutet Abenteuer:
Heute Morgen haben wir ein spontanes Konzert auf der Ukulele fuer das gesamte Abteil gegeben, mir wurde aus der Hand gelesen und gerade sitzt ein Mann neben mir, der ein Buch in den Haenden haelt, auf dem in grossen Buchstaben "How to become a complete champion" steht.

Was will man mehr?




30.06.2012

Dehli. Couchsurfen. Reicher Schnoesel. Carlsberg. Klimaanlage.

Abneigung und Bewunderung zugleich. "What the fuck is the fucking guy doing, fucker?!", lautet hier die allgemeine Umgangsform.

Keine Ahnung aber irgendwie hat  er es geschafft, unser Host. Meistert das Leben und kostet es voll aus...Neid.

Delhi ist modern, progressiv und irgendwie nicht meine Welt - ach das Leben ist reine Kopfsache!

Ich weiss nicht, was mich mehr schockiert: die Tatsache, dass die Frauen in kurzen Hosen rumlaufen? Oder die Feststellung dass ich stock konservativ geworden bin...

Und trotzdem - es waren Flittchen!



02.07.2012

Busstand in Delhi, auf dem Weg in den Himalaya.

Reiche Menschen stehen neben halbnackten, kranken Bettelkindern und starren ins Leere.

Wie verwahrlost koennen Menschen sein?

Umgekehrte Evolution.

"Wir sind keine Menschen, wir sind Tiere."

Und es sind lauernde Tiere. Tiere, die nur darauf warten, dass man einen Fehler begeht, dass man Schwaeche zeigt. Tiere, die so suess und angsteinfloessend zugleich sind.

"Money, money, chocolate!!!", ertoenen die Gesaenge. Die Ukulele wird uns mehrfach beinah\e aus der Hand gerissen.

Mitleid. Und das ist es, wofuer ich mich schaeme. Dein einst war ich an dem Punkt, wo ich Barmherzigkeit zeigen konnte....



05.07.2012

Eine kurze Ode an den wundervollen Ort Manali, komponiert von Ollek und Bollek:
(Aufwand: 3 Minuten)


Manali, Manali, du schoene Stadt im Norden,
Laesst Menschen schweben hoeher als die Berge,
es liegen viele Schaetze verborgen
von unserer Seite gibts keine Beschwerde


Grazil wie junge Bergzicklein sind wir durch die Berge gehoppelt,
die Eimer voll mit frischen Fischen
sahen selten mal was doppelt,
und falls doch lags an den falschen Mischen!


Manali, Manali, du gruene Perle im Himalaya,
du erinnerst uns stets an Bob Marley!
Wir hoffen, wir sind bald wieder da,
im schoensten Ort - Manali!



Freitag, 29. Juni 2012

Wirrwarr in der Nacht

Tja, was soll ich sagen. Es ist Donnerstag Nacht und in einigen Stunden werde ich mit meiner geliebten Strahli einen fast einmonatigen Trip durch (fast) ganz Indien starten - per Couchsurfing. Vorher müssen wir noch packen und auf einer Hochzeit mit 1500 (ja, das sind tatsächlich zwei Nullen!) Gästen tanzen. Ich bin müde und erschöpft. Die letzten zweieinhalb Woche sind rückblickend schneller vergangen als mein Flug nach Indien und doch ist irgendwie viel passiert. Ich hab heute ziemlich viel Geld beim Hütchenspielen verzockt, mein Laptop ist kaputt und ich hab ne Kopfnuss von einer Sechsjährigen bekommen, die mir heftige Schmerzen bereitete. Und dann passiert eine einzige schöne Sache, die ich nicht vermag zu beschreiben aus Angst, dass sie lächerlich klingen könnte, und dann ist alles wieder schön - zu schön. Mein Leben ist schön. Und seit neuestem kann ich das auch schätzen wenn gerade tonnenschwere Meteoriten vom Himmel stürzen und mir den Weg versperren.

Jeden Tag passiert so viel, dass ich nicht mehr hinterherkomme, darüber zu berichten. Vieles und viele kommen dabei zu kurz, das tut mir leid...

Ich bin gerade völlig zerrissen, merke, dass ich jeden Tag mehr dazu tendiere, meiner inneren Zeitbombe die Gelegenheit zum Explodieren zu geben. Ich weine jeden Tag und weiß nicht warum. Ich verdränge gerade alles: Meine Angst vor der Rückkehr (oh Gott, ich glaub ich hatte noch nie solche Angst!), die Furcht vor dem Abschied, dem endgültigen, die Befürchtung dass ich,....die Furcht dass ich.....

Ich will die Welt anhalten, die Zeit und meinen Atem, ich will reisen, ich will nicht weg, ich will Liebe gezeigt bekommen, ich will nicht, dass man um mich weint.

Doch das passiert. Heute schon. Alles passiert. Es läuft weil ich es laufen lasse. Es läuft weil ich keine andere Wahl habe. Alea iacta est. Die Würfen sind geworfen worden. Ich bin gespannt, welchen Wert sie mir letzten Endes liefern.


In der Hoffnung, dass ich bald mal wieder lockerer und heiterer schreiben kann, begebe ich mich auf meine letzte Indien-Reise...


Dienstag, 19. Juni 2012

Gastbeitrag 2.0 - Wegen Riesenmückeninvasion bleibt dieser Blogeintrag leider ohne weiteren Titel


Einen Blog soll sie schreiben, die Rahel. Also tut sie das jetzt mal:
Es stimmt. Was ich bis jetzt von Indien mitbekommen habe – es war noch nicht sooo viel, da ich bisher meistens im Heim, ein paar Mal in Bogaram oder den Nachbardörfern und in Hyderabad war – passt sehr gut zu dem Eindruck den Birtes Blog von Indien gibt. Straßen voller Rikschahs, bunten Lastwagen, Bussen, Motorrädern, Menschen und Kühen.  


Apropos Kühe gestern wurden wir auf dem Obst- und Gemüsemarkt in Hyderabad beinahe von einer Kuh überrannt. Es war heikel! Dieser Markt war sehr beeindruckend. Alles voller Obst, Gemüse und Menschen, die sich gerne fotografieren lassen. Anscheinend ist Birte dort auch schon bekannt, denn sie meint auf dem Markt etwas wie ‘Seht, sie schleppt schon wieder eine Freundin an‘ verstanden zu haben. Es ist ein großes Chaos, aber es läuft doch alles… Irgendwie (auf eine indische Weise).


(Iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiih!!! Soooo viele MÜCKEEEN!!!  Ooooohhooooo-ho-ho-ho-ho! War zu erwarten, dass das Mückenzeug nichts bringt. Immerhin riecht es gut.)


Wir sind ein kleines Hippie-Zimmer. Nackidei, nackidei, alle sind heut nackidei!


Also Markt. Da waren wir. Gestern. Und da haben wir etwas gekauft. Aber das ist nicht der Punkt. Regenzeit, das ist der Punkt, auf den ich hinaus wollte. Vor ein paar Tagen hat die Regenzeit begonnen. Und ein sehr regnerischer Regenguss überraschte uns auf diesem Markt. Zum Unterstellen keine Zeit. Wir mussten durch den Monsun. Innerhalb von wenigen Minuten (oh Ventilatorangriff gegen die Mücken. Macht keinen Sinn. Am schönsten ist es, wenn das Zimmerlicht aus ist wie jetzt. Dann schwirren die ganzen kleinen Kumpel am Laptop um, jippie! Bwüäääh!) ach ja also innerhalb weniger Minuten hatte sich auf dem Markt ein Fluss gebildet. Wir konnten nicht am Fluss  vorbei, wir konnten nicht über den Fluss, wir konnten nicht unter dem Fluss durch, wir mussten mitten durch. Die Straßen Hyderabads waren nun in unseren Schuhen, lecker. Schnell ab in die Rikschah und volle Kraft voraus in Richtung Tattoo-Studio.


7 Stunden später, als wir wieder rauskamen, war der Regen zum Glück vorbei. (Oh ja, lieben Gruß an Mami und Papi an dieser Stelle, macht euch keine Sorgen, die Tattoos sind fabulös geworden und alles war pikenfain und hygenisch wie sonst nirgendwo. (Googelt Angel Tattoos Hyderabad für mehr Infos))


 (Wunderbar. Jetzt haben wir eine Grille im Zimmer. Fiep, fiep, fiep, fiep, fiep, fiep, fiep… Stellen uns jetzt in den Innenhof, schlagen unsere Beine gegeneinander und versuchen ihn sie so aus dem Zimmer zu locken. So machen die Saubiester das doch, oder?)


Weiter aber nun mit dem Regen und damit verbunden auch zu den Mädchen im Heim. Eines der schönsten Erlebnisse hier war als der Regen vor einigen Tagen anfing. Denn die Mädels haben sich alle wie Butterkekse in Schokolade getaucht darüber gefreut. Mit einigen Girlies haben wir den Beginn der Regenzeit also gebührend gefeiert. Einfach raus in den Regen, ab in die tiefsten Pfützen. Zuerst nur vorsichtiges Hüpfen, nicht die Hose schmutzig machen. Nun ja aber irgendwie lässt sich das nicht vermeinden, na dann kann die Hose auch noch schmutziger werden. Hüpfen was das Zeug hält. Und wenn die Hose dann richtig schön nass ist, ists auch egal. ‘Sister, sitting!‘ Hingesetzt! Mit den Händen in die Pfützen hauen, Wasser spritzen. Das T-Shirt ist jetzt auch nass. ‘Man kann sich denken, was als nächstes kommt. Sister, sleeping!‘ Hingelegt. Kopf oben gehalten, wenigstens die Haare sollen trocken bleiben. Aber auch das sollte nicht lange so bleiben. Irgendwann passierts eben mal, da schwappt das Wasser auf die Haare. Alles egal. Das Wasser war warm und dreckig. Willkommen im Pfützenparadies. ‘Sister, sleeping!‘, ‘Sister, breakfast!‘, ‘ Sister, sleeping!‘, ‘Sister, praying!‘ Die Kinder in uns kamen wieder raus. Und alle hatten Spaß. Singen, Tanzen, Lachen, Genießen.   

Selten hatte ich in einem echten Pool so viel Spaß, wahrscheinlich noch nie. 


Es stimmt. Man braucht nicht viel, um glücklich zu sein. Und glücklich sein ist es, was zählt im Leben.
Man braucht auch nicht viel zum Leben, erkenne ich hier: Wasser, Reis mit Blättern und Liebe.

(von Strahli)