Montag, 30. Juli 2012

Fernbeziehung




Seit nun etwa einem Jahr führe ich eine Fernbeziehung auf mehr als 7000 Kilometern Entfernung. Ich werde nun versuchen, zu beschreiben, was es bedeutet, sich in einem Jahr exakt 22 Tage zu sehen. Oder vielmehr: was es bedeutet, sich in einem Jahr 343 Tage nicht zu sehen.

Am Anfang ist es einfach nur vermissen. Es fehlt jemand. Und dieses Gefühl macht einen irgendwie einsam. Man schläft alleine ein, man wacht alleine auf. Man erlebt alles allein und das frustriert.

Dann kommt man irgendwann an den Punkt, wo einen die Sehnsucht fast auffrisst, wo man verrückt wird, wenn man realisiert, dass der Partner nur ein Bild im Laptop ist, nur ein paar Buchstaben in der Email, nur das Foto an der Wand.

Phase drei sieht so aus, dass man aus lauter Verzweiflung anfängt, mit einem illusionierten Menschen zusammen zu sein – also in der Realität. Das fängt so an, dass man seinem Kopfkissen einen Gute-Nacht-Kuss gibt, dann beginnt man sich selbst den Rücken zu kraulen, über die Haare zu streicheln und irgendwann endet es mit hitzigen Diskussionen darüber, wer dem anderen gerade die Decke weggenommen hat.

Doch auch wenn das bereits alles ziemlich armselig und traurig klingen mag, so ist die schlimmste Phase noch nicht erreicht. Man kann sie nicht richtig einordnen, weil es ein schleichender und unaufhörlicher Prozess ist. Wenn du vergessen hast, wie es ist, den anderen zu küssen, dann hast du diese Phase erreicht. Und genau dieses Vergessen ist es, was dich aufzufressen droht. Wenn du vergisst hast du dich damit abgefunden. Und da einem über ein so langen Zeitraum nichts anderes übrig bleibt, als sich damit abzufinden, weil  Körper und Kopf gar nicht stark genug sind, dagegen anzukämpfen, vergisst du allmählich alles. Nur noch die tägliche SMS erinnert dich dann daran, dass du einen Freund hast.

Warum schreibt die Alte nur so viel Gefühlsduselei, das interessiert doch kein Mensch!

Nunja, ich hoffe, dass mich diese Fernbeziehung auf die kommende vorbereitet – auf die mit Indien.
Möglicherweise tue ich das nur, um der ganzen Sache wenigstens etwas Positives abzugewinnen, doch es werden sich bestimmt einige Parallelen wiederfinden.
Wenn man weiß, wie hart so eine Fernbeziehung sein kann, dann realisiert man auch erst einmal wie berechtigt die Angst davor ist. Ich fürchte mich davor, eines Tages zu vergessen, wie sich der Wind des Monsuns in meinen Haaren anfühlt. Und das einzige was ich dagegen tun kann ist, in diesem Moment aufs Dach zu gehen, den Zopf zu öffnen und den Wind wehen zu lassen…

Sonntag, 29. Juli 2012

Indien - Gastbeitrag 2.1


'Was findest du, ist der größte Unterschied zwischen Indien und Deutschland?' fragte Birte mich nachdem ich die ersten Tage in Indien verbracht hatte. 'Hm, gute Frage' meine Antwort 'Alles! Frag mich lieber mal nach Gemeinsamkeiten, da fällt mir eine ein: In Indien und in Deutschland gibt es Menschen.'


Und so ist es. Indien und Deutschland haben nicht viel gemeinsam, zumindest nicht das traditionelle Indien. Die Mentalität in Indien ist so frei und doch so begrenzt. Begrenzt in dem Sinne, dass es schwierig scheint, nach Indien zu kommen und seine eigene Kultur voll auszuleben. Das fängt bei der Kleidung an. Zeig keine Schultern, keine Knöchel, bedeck dich, wenn du eine Frau bist. Pass auf, dass man keine BH-Träger sieht. Steck die Schüre deines Hosenbunds weg oder bist du eine Prostituierte?


Es war nicht immer einfach sich an diese 'Regeln' zu halten. Nicht weil ich es nicht wollte, sondern weil ich es einfach schnell mal vergessen habe, meine Schnürchen wegzustecken. Denn diese Schnürchen an der Hose waren bisher nie etwas, worüber ich nachgedacht habe.


Abgesehen von der Kleidung gibt es noch viele andere Kleinigkeiten zu beachten wie zum Beispiel nur mit der rechten Hand zu essen. Es passierte mir schnell und oft vor allem am Anfang meines Indien-Aufenthaltes, dass ich irgendetwas falsch machte. Zum Glück hatte ich ja aber meine indische Cousinenfreundin immer bei mir, die mich schnell auf meine Fehler aufmerksam machte.


Aber trotz allem fühlte ich mich in Indien einfach frei. Die Ukulele in die Hand nehmen und einfach losträllern ohne groß darüber nachzudenken was die anderen denken. Und das in Schlafanzug. Natürlich gucken die Leute, aber es ist ein angenehmes Beobachten, keine zweifelhaften Blicke, nur Interesse. Keine schiefen Blicke, nur Freundlichkeit und in den Augen generell viel Interesse.


Egal wo wir waren, egal, uns wurden immer die gleichen Fragen gestellt. Wir sind vom Himalaya bis in den Süden Indiens gereist, aber die Fragen blieben die gleichen: Which country? Which part of Germany? First time India? How long in India? Do you like India? What you doing in India? ...Wanna see my shop? (…) Irgendwann gingen diese netten Fragen uns allerdings so auf den Keks, dass wir uns unbekanntere Heimatländer als Deutschland ausgesucht haben. Schweden zum Beispiel, manchmal sogar Papua Neuguinea, um weiteren Fragen aus dem Weg zu gehen. Meistens ging die Rechnung auf, nur einmal wurde uns dann auf Schwedisch geantwortet, upps!


Ich bin nun seit gestern zurück in Deutschland und alles ist wieder wie vorher, abgesehen davon, dass das Wetter gut ist. Die Angestellten am Flughafen waren schlecht gelaunt und nörgelig, der Mann bei der Passkontrolle, hat sich scheinbar einen Zacken aus der Krone gebrochen, um ein gelangweiltes 'Hallo' aus seinem Mund zu pressen.
Das erste was ich gemacht habe, als ich zuhause war, war mich in den Garten zu setzen und nichts zu hören, außer das laute Rauschen in meinem Kopf. Da habe ich gemerkt, Indien ist verdammt laut. Und trubelig. Kein Wunder, wenn in einem Land 1.241.491.960 Menschen leben eigentlich. Zwar sind wir insgesamt ca. 6745km durchs Land geschrubbt, aber trotzdem war jede Stadt voller Menschen. Menschen überall und Kühe, Schweine, Ziegen, Hunde, Schafe und Pfaue. Nur in der Wüste war es leer. Da gab es nur die eben genannten Tiere plus frei lebende Kamele und Dreck.


Dreck, auch das gehört zu Indien. Und Müll. Es ist nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen in diesem bunten Land, denn oft ist der Straßenrand aus dem Grund bunt, dass er bedeckt ist mit Müll. Und hier und da Kühe, Schweine und Menschen, die in diesem Müll leben...


Mittlerweile bin ich seit drei Tagen zurück. Und ich habe mich mal wieder unter deutsche Menschen getraut. Und mich mal so verhalten wie in Indien. Lächeln. Nicht nur, dass niemand 'Hallo! Hallo! Hallo! How are you?' gerufen hat oder heimlich versucht hat mich zu fotografieren. Man bekommt meist auch kein Lächeln zurück. Und das liegt größtenteils daran, dass niemand guckt. Jeder ist mit sich beschäftigt. Es gibt Menschen. Aber auch die sind ein Unterschied.

Samstag, 21. Juli 2012

Impressionen einer Reise 1.0

29.06.2012

Die Sonne knallt und der Wind schlaegt zurueck. In Anbetracht der Kette um meinen Hals, die aus purem Dreck besteht, stelle ich mir erneut die Frage, ob unsichtbarer Schmutz tatsaechlich der schlimmere ist...?

Zugfahren.

Das bedeutet wenig Schlaf und viel Geduld. Es bedeutet aber auch das Treffen von Menschen, die fuer eine Strecke deine Familie werden. Nicht unbedingt weil immer alle ausnahmslos nett sind, sondern viel mehr weil alles unglaublich verkeimt ist und die Vorstellung, dass all diese Bakterien, Partikel und Erreger aus der eigenen Familie kommen, alles irgendwie ertraeglicher macht. Versteht mich nicht falsch, ich liebe das Zugfahren. Es gibt gutes Essen, jede Menge Tschais und interessante Geschichten.

Zugfahren bedeutet Abenteuer:
Heute Morgen haben wir ein spontanes Konzert auf der Ukulele fuer das gesamte Abteil gegeben, mir wurde aus der Hand gelesen und gerade sitzt ein Mann neben mir, der ein Buch in den Haenden haelt, auf dem in grossen Buchstaben "How to become a complete champion" steht.

Was will man mehr?




30.06.2012

Dehli. Couchsurfen. Reicher Schnoesel. Carlsberg. Klimaanlage.

Abneigung und Bewunderung zugleich. "What the fuck is the fucking guy doing, fucker?!", lautet hier die allgemeine Umgangsform.

Keine Ahnung aber irgendwie hat  er es geschafft, unser Host. Meistert das Leben und kostet es voll aus...Neid.

Delhi ist modern, progressiv und irgendwie nicht meine Welt - ach das Leben ist reine Kopfsache!

Ich weiss nicht, was mich mehr schockiert: die Tatsache, dass die Frauen in kurzen Hosen rumlaufen? Oder die Feststellung dass ich stock konservativ geworden bin...

Und trotzdem - es waren Flittchen!



02.07.2012

Busstand in Delhi, auf dem Weg in den Himalaya.

Reiche Menschen stehen neben halbnackten, kranken Bettelkindern und starren ins Leere.

Wie verwahrlost koennen Menschen sein?

Umgekehrte Evolution.

"Wir sind keine Menschen, wir sind Tiere."

Und es sind lauernde Tiere. Tiere, die nur darauf warten, dass man einen Fehler begeht, dass man Schwaeche zeigt. Tiere, die so suess und angsteinfloessend zugleich sind.

"Money, money, chocolate!!!", ertoenen die Gesaenge. Die Ukulele wird uns mehrfach beinah\e aus der Hand gerissen.

Mitleid. Und das ist es, wofuer ich mich schaeme. Dein einst war ich an dem Punkt, wo ich Barmherzigkeit zeigen konnte....



05.07.2012

Eine kurze Ode an den wundervollen Ort Manali, komponiert von Ollek und Bollek:
(Aufwand: 3 Minuten)


Manali, Manali, du schoene Stadt im Norden,
Laesst Menschen schweben hoeher als die Berge,
es liegen viele Schaetze verborgen
von unserer Seite gibts keine Beschwerde


Grazil wie junge Bergzicklein sind wir durch die Berge gehoppelt,
die Eimer voll mit frischen Fischen
sahen selten mal was doppelt,
und falls doch lags an den falschen Mischen!


Manali, Manali, du gruene Perle im Himalaya,
du erinnerst uns stets an Bob Marley!
Wir hoffen, wir sind bald wieder da,
im schoensten Ort - Manali!